10. Tagesbericht

12. August 2010

Heute waren die Jugendlichen den ganzen Tag lang auf Erkundungstour unterwegs; wir Advisors haben fast nichts von ihnen gehört und freuen uns auf die morgigen Präsentationen.

Schüler, die schon vor der Reise Interesse bekundet hatten, einen Abend und eine Nacht bei einer chinesischen Familie zu verbringen, konnten sich für einen so genannten anmelden.

Leider ist aus diesen , die bei früheren Touren offenbar ein grosser Erfolg gewesen sind, ein geworden. Die Schülerinnen und Schüler dürfen nicht mehr bei der chinesischen Familie übernachten, weil die Polizei klar gemacht hat, dass eine Übernachtung ausserhalb des Hotels nur möglich ist, wenn sich Gastgeber und Gast vorgängig bei der Polizei melden und registrieren lassen. Das Nachtessen ist auch ohne Bürokratie möglich, scheitert aber zum Teil daran, dass die Gastgeber bis zu zwei Stunden vom Hotel entfernt wohnen.

Nathalie Rausch berichtet über ihren „Homestay“:

Unser -Mädchen, das uns in Begleitung ihrer Mutter in der Hotellobby abholte, entsprach wider Erwarten nicht dem Klischee, das wir von Bewohnern eines kommunistischen Staates haben. Sie spielte ganz im Gegenteil den Touristenführer durch Edelkaufhäuser, die ihre Mutter zu besichtigen wünschte. Ohne Ausnahme war jeder Gegenstand, dessen Form, Farbe und Beschaffenheit Mutter und Tochter uns mit unermüdlicher Motivation erklärten, ein Symbol für Reichtum, gesellschaftliche Akzeptanz oder Glück. Die anfängliche Enttäuschung über die verwehrte Möglichkeit zur Besichtigung ihres Hauses und der Teilnahme am Familienmahl verflog, als all die neugierigen Freunde der Familie uns an einer Fressstrasse zu Skorpion, Maden und Zuckerfrüchten einluden und uns ein Junge, den unser Mädchen Bruder nannte, stolz seine Visitenkarte aufdrängte; er ist ein selbsternanntes Pianogenie. Inmitten von englischsprachigen Chinesen wurden uns Löcher über unsere Meinung auch zu heiklen Themen in unsere platzend vollen Bäuche gefragt, Diskussionen, die wir, diplomatisch geschickt wie Schweizer sind, auf den späteren Teil des Abends verschoben. Ihr Versprechen, uns auf ewig zu lieben, nachdem wir uns verabschiedet hatten, wurde von uns selbstverständlich erwidert und so blickten wir mit geröteten Augen voller Sehnsucht auf das in Pekings Nacht fahrende Auto ihres Vaters, im Wissen, für immer eine allerbeste Freundin in Beijing zurückgelassen zu haben.

Joel Gauss berichtet über seinen „Homestay“:

Unseren Homestay haben wir uns mit Sicherheit etwas anders vorgestellt, als er dann verlief: Wir wurden von einem Schüler unseres Alters, welcher ebenfalls Teilnehmer der WEMUN-Konferenz gewesen war, und seinem Vater in einem Wagen der Upper-Class durch Peking chauffiert, wobei sich uns hin und wieder die Gelegenheit bot, auszusteigen und einige Sehenswürdigkeiten wie beispielsweise Pekings alte Stadtmauer bei Nacht zu sehen. Dies alles wäre an für sich spannend gewesen, wenn sich da nicht unsere vor Hunger knurrenden Mägen zu Wort gemeldet hätten. Die chinesische Begleitung ging bedauerlicherweise davon aus, dass wir bereits diniert hätten, und es brauchte mehrere Anläufe unsererseits, dieses Missverständnis auszuräumen. Obwohl wir uns den Abend anders vorgestellt hatten, genossen wir nach einem Abstecher in ein chinesisches die nächtliche Sightseeing-Tour durch Beijing.

Anmerkung der Advisors Dütsch und Wanner:

Wir Advisors schlenderten durch das Künstlerviertel 798 Gongchang, ein 2002 zu einem Kunstausstellungsgelände umfunktioniertes Fabrikgelände im Nordosten Beijings. , der mit seiner Kunstgruppe heute auch dort war, wird morgen über seine Eindrücke und Erlebnisse berichten.

Fotos: Impressionen aus dem Künstlerviertel.

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