12. Tagesbericht

14. August 2010

 

Helena und Luzia berichten:

Der Bus brachte 60 dösende Schweizer, Inder und Amerikaner ins zwei Stunden entfernte gebirgige Hinterland von Beijing. Dieser Aufenthalt fern von Hochhäusern und überfüllten Strassen stellte sich als ein Highlight unserer WEXPLORE Tour heraus. Herzlich begrüsst wurden wir auf einem Bauernhof von einer kleinen, braungebrannten, vom Leben gezeichneten Frau, die uns sogleich zu Tische bat. Während unsere indischen Freunde – wohl allesamt aus ausserordentlich reichen Familien – ihren eigenen „Frass“ auspackten, freundeten wir uns schnell mit den ungewöhnlichen Gerüchen der ländlichen Küche an.

Zum ersten Mal, seitdem wir in China sind, war in beschaulicher Umgebung eine Siesta angesagt, die einen die Hektik der Grossstadt vergessen liess. Einer der Chinesen im Leiterteam erläuterte uns dann die Probleme und Chancen des ländlichen Chinas: 700 Millionen Chinesen leben auf dem Land; ihr Einkommen ist rund dreimal kleiner als das der Städter. Für kreative Bauern an touristisch interessanten Orten kann das Leben auf dem Land durchaus Chance sein, wie das Beispiel unserer Gastgeber zeigt: Die Bauernfamilie betreibt auch ein Bed & Breakfast mit etwa 20 Betten und kann in ihrem Garten bis zu hundert Gäste verpflegen. Souverän gab die Bäuerin (siehe Bild) auf Fragen unsererseits, die vom Leiter ins Chinesische übersetzt wurden, Auskunft.

Wie im Traum schwebten wir am Nachmittag durch die idyllischen Maisfelder und genossen die frische Luft, den blauen Himmel und die warmen Sonnenstrahlen auf unserer Haut. Viele Häuschen und kleine aber feine Gärtchen zogen neugierige Blicke auf sich. Der Spaziergang durch die pure Natur erlaubte uns einen Einblick ins Landleben, das uns in mancher Beziehung an Rumänien erinnerte, welches wir beide im vergangenen Frühling kennen lernen durften. Auf dem Bauernhof liefen die Vorbereitungen auf das Grillfest, und jeder suchte sich erwartungsvoll ein Plätzchen aus.

Enttäuschte und erleichterte Gesichter gab es, als der Grillmeister das Geheimnis um das brutzelnde Ding auf dem Grill lüftete (siehe Bild). Ob es sich bei unserem Abendessen jedoch wirklich nicht um einen Hund gehandelt hatte, wurde noch den ganzen Abend lang diskutiert. Die „dicken Schweizer“ schlugen wieder einmal zu. Leere Teller stapelten sich auf den Tischen der Eidgenossen. So kugelten wir zu später Stunde unter unnahbar schönem Sternenhimmel zum Zeltplatz am Fusse der Chinesischen Mauer. Nach dem nächtlichen Zeltaufbau und tiefgründigen Gesprächen fand früher oder später jeder zu seinem „Mättchen“ und in den stinkige Schlafsack. Diejenigen, welche die grunzenden Schnarchgeräusche unter freiem Himmel geniessen durften, setzten sich direkt dem Frost aus und trotzten diesem. Anderen gelang es jedoch nicht, in einen tiefen Dornröschenschlaf zu fallen, und trotz dem Zwiebelschichtenprinzip klapperten sie mit den Zähnen im Chor.

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