8. Tagesbericht

10. August 2010

Sara Wohlwend berichtet:

Was für ein ruhiger Morgen! Kein wake-up-call durch das Telefon. What happened? Böse Schweizer hielten das Hotelteam auf Trab: Telefonkabel wurden ausgezogen, um die gar früh angesetzten wake-up-calls zu vermeiden und Emergency-Knöpfe werden unabsichtlich aktiviert, so dass um Mitternacht eine Sicherheitscrew ausrücken musste.

In der Chinesischlektion um halb neun lernten wir unter anderem die Zahlen von eins bis zehn und wir erhielten auch chinesische Namen: Ich wurde ich zu shi shan, Kathrin zu kai lin, aus Aline wurde ling ling und aus Nadine na ju.

Nach dem Sprachkurs fuhren wir zusammen mit einer amerikanischen Gruppe im Car zum Drum Tower nördlich der Verbotenen Stadt. Den Dauerlacher während der Fahrt möchten wir niemandem vorenthalten: immer wieder schmunzelten wir über die Feststellung einer chinesischen Delegierten, dass wir ziemlich schlank seien für Schweizerinnen! Beim Drum Tower angekommen, bestiegen wir diesen über 69 steile Treppenstufen. Der Turm, der auf die Yuan-Dynastie (13.Jh.) zurückgeht, und in welchem noch 21 der ursprünglich 25 Trommeln erhalten sind, hatte die Funktion der Zeitanzeige, insbesondere für wichtige Ereignisse wie die tägliche Schliessung der Stadttore.

Mit Rischkas fuhren wir danach durch das angrenzende traditionelle chinesische Viertel, Hutong genannt. Mit Hutong wird zum einen eine alte typische Gasse bezeichnet, zum anderen aber auch ein aus solchen Gassen und den an ihnen liegenden Häusern bestehendes Wohnviertel. Der Name ist nicht chinesisch, sondern geht auch auf die mongolische Yuan-Dynastie zurück. Die Häuser sind hier bestenfalls zweistöckig und nur durch sehr enge Gassen voneinander getrennt. Unser Guide erklärte uns, dass die Bedeutung und der Reichtum einer Familie anhand der „Sterne“ oberhalb der Haustüre abgelesen werden kann und konnte (siehe Bild). Wir hatten die Gelegenheit, in der engen Behausung einer dieser Familie zu essen. Als Gruppe von 25 Personen belegten wir sämtliche Räume – sogar das Schlafzimmer – der beiden Stockwerke. Das Essen war fantastisch: immer wieder wurden einfache, aber genial zubereitete Köstlichkeiten aufgetischt. Man bedauerte jeweils, bei den vorhergehenden schon zu sehr zugelangt zu haben.

Am Nachmittag besuchten wir das unbestrittene touristische Highlight Beijings: die Verbotene Stadt. Es handelt sich um den Palastkomplex, der von den Ming-Kaisern im 15. Jahrhundert erbaut worden war und eine Fläche von sage und schreibe 72 ha einnimmt. Der Komplex heisst auch Verbotene Stadt, weil bis zum Ende des Kaisertums anfangs des 20.Jahrhunderts kein Sterblicher seinen Fuss in sie setzen durfte. Obwohl sie heute hoffnungslos von Touristen überfüllt war – auch viele Chinesen haben jetzt Ferien – , beeindruckte uns die Anlage

Zum Schluss überquerten wir den riesigen Tian’anmen-Platz. Zahlreiche Kameras, Polizeiwagen und Sicherheitsleute lösten mulmige Gefühle aus. Da der Guide kein Wort über die neuere Geschichte Chinas, insbesondere Beijings, verlor, holte Herr Dütsch dies (sicherheitshalber auf Deutsch) nach (siehe Bild). Wir waren geschockt.

Es war ein eindrucksvoller Tag: ein spannender Längsschnitt durch 700 Jahre chinesischer Geschichte.

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