Wer eignet sich für die Maturitätsschule?
Einfach ist der Entscheid, wenn die folgenden Voraussetzungen gegeben sind:
- Ich gehe gerne zur Schule
- Die schulischen Leistungen sind gut bis sehr gut
- Eignung/Begabung und Neigung/Interesse stimmen überein
- Die Sekundarlehrer empfehlen den Eintritt in die Maturitätsschule ohne Vorbehalt
- Eltern und Kind kommen gemeinsam zum gleichen Schluss.
So ideal sind die Verhältnisse selten
Wo – wie üblich – eine zuverlässige Beurteilung schwierig ist, lohnt es sich, die fogenden Gesichtspunkte als Entscheidungshilfen zu berücksichtigen:
Kind, Eltern und Lehrer sollen den Eintritt gemeinsam vorbereiten. Wichtig sind dabei die Erfahrungen in der Sekundarschule. Nur wer die Anforderungen dieser Vorbereitungsschule mit einer gewissen Leichtigkeit erfüllt, wird in der Kantonsschule wahrscheinlich nicht überfordert sein. Neben guten Schulleistungen in den für die Aufnahmeprüfung massgebenden Fächern Deutsch, Französisch bzw. Latein und Mathematik sind auch die Fähigkeiten in den anderen Promotionsfächern wichtig. Gute Noten auf der Vorstufe garantieren jedoch noch kein erfolgreiches Durchlaufen der Maturitätsschule. Wir haben den Auftrag, unsere Schülerinnen und Schüler in 4 Jahren zur Hochschulreife zu führen. Dazu müssen gewisse Anlagen mitgebracht werden, die im Laufe der Jahre ganz oder teilweise weiterentwickelt werden können.
Die wichtigsten Anlagen möchten wir hier stichwortartig aufzählen
- Geistige Neugier und Freude am Lernen.
- Wer das Lernen als Last empfindet, ist für die Kantonsschule nicht geeignet.
- Der Weg durch die Maturitätsschule führt zu immer stärkerer Abstraktion.
- In der Geistes- und Naturwissenschaften geht es nicht ohne die Fähigkeit zur Abstaktion, d.h. vom Einzelnen zum Allgemeinen zu gelangen, von der Erscheinung zur Gesetzmässigkeit, von der Vielfalt zum Zusammenhang, vom Sichtbaren zur Theorie, vom Bild zum Sinnbild oder vom Vordergrund zum Grund, zur Ursache.
- Ein gutes Gedächtnis, Fantasie, Erlebnisfähigkeit, geistige Beweglichkeit (im Hinblick auf die grosse Zahl von Fächern, Methoden, Lehrern und Mitschülern), ein hohes Mass an Selbständigkeit, Ausdauer und Belastbarkeit sowie die Bereitschaft zur Zusammenarbeit.
In einer schwierigen Entwicklungsphase werden an die Jugendlichen in der Maturitätsschule hohe Ansprüche gestellt. Deshalb sollten Eltern oder Lehrer ein Kind nie gegen seinen Willen (oder gar aus Prestigegründen) in die Maturitätsschule schicken. Auch Schülerinnen und Schüler, die in jedem Fach fragen, was es nütze, wozu man es brauchen könne, sind an der Maturitätsschule fehl am Platz. Sie gehören in eine zu einem praktischeren Ziel hinführende Ausbildung. Es sei an dieser Stelle an den Weg über die Berufsmatur zur Fachhochschule erinnert. Im Kanton Schaffhausen werden die kaufmännische und die technische Berufsmatur angeboten, die zu den entsprechenden Fachhochschulen führen.
Die Maturitätsschule garantiert keine höhere und glücklichere Existenz, aber sie kann eine wunderbare Chance menschlicher Entfaltung sein und grossartige Horizonte öffnen. Immer bleibt die gymnasiale Bildung ein persönliches Wagnis. Wenn der Versuch misslingt, darf dies bei Schülern und Eltern nicht zu einer Katastrophe werden. Es gibt viele andere Wege zu einer guten Bildung und Ausbildung!